Steinbruch Etterzhausen/Greifenberg

Feb 2010

1. Ein Stückchen Natur in Gefahr?

 

Bei der Fahrt entlang der Naab befindet sich kurz vor Etterzhausen auf der rechten, nördlichen Seite das etwa 43 Hektar große Naturschutzgebiet Greifenberg und Waltenhofer Hänge sowie der seit 2002 stillgelegte Steinbruch des ehemaligen Dolomit-Schotterwerks-Etterzhausen. Der Steinbruch hat eine Größe von etwas mehr als 15 Hektar.

Nach den Vorstellungen des Landrats Herbert Mirbeth soll die Landkreis-Kompostanlage in Pollenried in den ehemaligen Steinbruch verlegt werden, weil die Marktgemeinde Nittendorf unmittelbar neben dem Kompostplatz ein Mischgebiet errichtet hat, in dem sich inzwischen auch einige Einfamilienhäuschen befinden.

Seit über zwanzig Jahren kämpft die BN-Ortsgruppe Pettendorf um den am Rande des Gemeindegebiets gelegenen Greifenberg, der eine im Landkreis einmalige Flora und Fauna besitzt mit vielen Tieren und Pflanzen, die vom Aussterben bedroht sind.

In den 1980er Jahren ging vor allem darum, den rigorosen Kalksteinabbau einzudämmen, der sich immer mehr in den Greifenberg hineinfraß.

War bis 2002 in erster Linie das unmittelbar neben dem Steinbruch gelegene Naturschutzgebiet in Gefahr, so ist es heute der ehemalige Steinbruch selbst und die unmittelbare Umgebung. Seit 2002 ist dieser Naabtalabschnitt FFH-Gebiet und seit 2004 ist der Steinbruch europäisches Vogelschutzgebiet

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2. Top-Thema seit über 20 Jahren

 

1959 erhielt die Firma Hofmann eine naturschutzrechtliche Ausnahmegenehmigung zwischen Mariaort und Etterzhausen auf einigen wenigen Parzellen Kalkstein abzubauen.

Als 1978 die Dolomit-Schotterwerke-Etterzhausen, kurz DSE, diesen Steinbruch erwarben um den Abbau im großen Stil fortzusetzen, wurde wegen des wertvollen Greifenberg die Fläche auf 15 Hektar und Abbaumenge auf 60.000 Tonnen pro Jahr begrenzt. Die Abbaugenehmigung war außerdem mit der Auflage verbunden, dass nach Erreichen der Abbaugrenze die Betriebseinrichtungen abzubauen und den Steinbruch zu rekultivieren ist.

Zwei Jahre später erhält die Firma DSE außerdem die Erlaubnis, den im Steinbruch gewonnenen Dolomit in einer Anlage im Steinbruch zu verarbeiten.

Die genehmigte Fläche und die jährliche Abbaumenge hätten bis zum Jahr 2060 gereicht. Allerdings, in den folgenden Jahren bauen die DSE anstelle der genehmigten Menge das fast 12-fache ab, nämlich im Schnitt pro Jahr 700.000 Tonnen. Nach zehn Jahren war der Steinbruch praktisch ausgebeutet. 1988 beantragte die Firma eine Erweiterung um 40 Hektar. Dieses Volumen, fast das Vierfache des heute stillgelegten Steinbruchs, hätte das gesamte heute existierende Naturschutzgebiet vernichtet.

In einer sehr erfolgreichen Kampagne gelang es nun der neu gegründeten Bund Naturschutz Ortsgruppe Pettendorf nicht nur die Pettendorfer Bevölkerung, sondern auch die Regierung der Oberpfalz für das Problem Greifenberg zu sensibilisieren. Die 40 Hektar wurden nicht genehmigt.

Drei Jahre später, im Oktober 1991, wurde endlich das schon lange geplante Naturschutzgebiet Greifenberg in Kraft gesetzt, das heute den Steinbruch im Norden halbkreisförmig umschließt. Damit schien der Abbau in den Greifenberg hinein endgültig gestoppt.

Nicht ganz, denn drei Jahre später versuchte das DSE unter dem NSG hindurch über einen Tunnel in nördlicher Richtung ein neues großes Abbaugebiet zu erschließen. Glücklicherweise scheitert dieses Vorhaben an den betroffenen Kneitinger Grundstückseigentümern.

Die Firma DSE erhielt jetzt die Genehmigung im Steinbruch noch bis acht Meter in die Tiefe abzubauen. Zusätzlich entstand damals der nicht genehmigte nördliche Steilhang zum Naturschutzgebiet. Da der Steinbruch ausgebeutet war, wurde jetzt Kalkstein aus anderen Steinbrüchen in der Feinkörnungsanlage verarbeitet. Dazu bestand jedoch keine Betriebsgenehmigung. Das Landratsamt mahnte deswegen mehrere Male, den Betrieb einzustellen, allerdings ohne Erfolg, bis dann im August 2002 nach einem Urteil des Verwaltungsgerichts die Firma Trollius aus Lauterhofen, die den Steinbruch etwa zwei Jahre zuvor gekauft hatte, den Betrieb im Steinbruch endgültig einstellen musste.

 

3. Warum so dringend eine Kompostanlage?

 

Ursprünglich befand sich am nordwestlichen Ortsrand von Pollenried, unmittelbar neben der Landkreis-Kompostanlage, ein Gewerbegebiet. Offenbar wegen der Hanglage ließen sich die meisten Parzellen nicht verkaufen. Im Februar 2004 entschied deswegen die Marktgemeinde Nittendorf, das Gewerbegebiet in ein Mischgebiet, also bewohnbares Gebiet, umzuwandeln. Man war sich dabei bewußt, dass eine seit Oktober 2002 bestehende Verwaltungsvorschrift zwischen einer offenen Kompostanlage und einem bewohnbarem Gebiet ein Abstand von 500 m vorschrieb. Die Kompostanlage musste also spätestens bis zum Bezug der ersten Einfamilienhäuser verschwinden.

Der ehemalige Steinbruch bei Etterzhausen schien der geeignete Platz für eine neue Kompostanlage zu sein. Landrat Mirbeth unterstützte diesen Vorschlag der Markgemeinde. Einige Tage vor dem Beschluss des Marktgemeinderates im Februar 2004 bat Mirbeth den Vorstand der BN-Kreisgruppe, der Verlegung des Kompostplatzes in den Steinbruch zuzustimmen. Der KG-Vorstand war nicht einverstanden, im Gegenteil, er verwies auf den sei mehreren Jahren bestehenden rechtskräftigen Beschluss des Landratsamtes, die Werksanlage abzubauen und den Steinbruch zu rekultivieren.

Wohl in dem Vertrauen, die Kompostanlage doch noch im Steinbruch unterzubringen, genehmigte das Landratsamt im März 2006 die beantragte Umwandlung des Gewerbegebietes in ein Mischgebiet.

Im gleichen Jahr lehnt allerdings auch der Umweltbeirat der Regierung der Oberpfalz eine Kompostanlage im Steinbruch ab.

Als 2008 die Gemeinde Pettendorf einen neuen Flächennutzungsplan entwickelte, entschied sich der Gemeinderat ausdrücklich gegen eine Kompostanlage und gegen ein Gewerbegebiet im ehemaligen Steinbruch. Selbst ein persönlichen Gespräch Mirbeths mit den Pettendorfer Gemeinderäten im Februar 2009 half nichts. Es blieb bei der Entscheidung des Gemeinderates.

Ein wohl letzter Versuch des Landrats war ein im Frühjahr 2009 in Auftrag gegebenes Gutachten (Spezielle artenschutzrechtliche Prüfung, saP), das die Bedenken des Naturschutzes gegen eine Kompostanlage im Steinbruch ausräumen sollte. Heraus kam jedoch genau das Gegenteil. Eine Kompostanlage würde die besonders wertvolle Flora und Fauna im Steinbruch und im Naturschutzgebiet endgültig zerstören.

 

4. Der ehemalige Steinbruch heute

 

Jede Abbaugenehmigung für Kalkstein und jede Betriebsgenehmigungen am Greifenberg war mit der Auflage verbunden, dass am Ende die Betriebsanlage abzubauen und der Steinbruch zu rekultivieren ist. Die Finanzierung dieser Maßnahmen musste die Betreiberfirma mittels einer Bankbürgschaft absichern. Spätestens seit der Stilllegung durch Gerichtsbeschluss im August 2002 müssten die Betriebsgebäude abgebaut werden.

Bis heute ist mit Duldung des Landratsamtes nichts in dieser Hinsicht geschehen.

In den sieben Jahren seit der Stilllegung hat sich die Natur einen Teil des Steinbruchs wieder zurückgeholt. Inzwischen haben sich wertvolle Biotope entwickelt. In den Tümpeln der Steinbruchsohle entstanden außergewöhnliche Lebensräume für Amphibien- und Libellen. Im alten Betriebsgebäude brütet der Turmfalke. Der Wanderfalke wurde beobachtet und im Steilhang zog im Sommer 2009 ein Uhupärchen drei Junguhus groß.

Mit großem Nachdruck lehnt der Bund Naturschutz eine Kompostanlage im ehemalige Steinbruch ab. Zusammen mit dem Naturschutzgebiet ist der Steinbruch eine der wenigen übrig gebliebenen Kostbarkeiten der Natur in unserem Landkreis Er muss für die Menschen von heute und für zukünftige Generationen erhalten bleiben.

 

Rainer Brunner