Pressemitteilung: Feldahorn in der Gerhardinger Straße ist nach Hitze- und Trockensommer 2026 vital wie wenig andere Bäume. Seine Fällung wäre fatal.
Der heiße und trockene Sommer 2026 hat gezeigt: Viele Bäume in der Region aber insbesondere in Regensburg weisen deutliche Trocken- und Hitzeschäden auf, bis hin zum Absterben vieler, auch jüngerer Bäume. Der Feldahorn in der Gerhardinger Straße in Stadtamhof stand hingegen den ganzen Sommer in voller Pracht und vital da „wie eine Eins“. Er
spendete zudem Sauerstoff, Schatten und Kühle für die umliegende Wohnbebauung.
Dieser imposante Feldahorn hätte aus Sicht des BUND Naturschutz im Sinne von Alexander von Humbold als Schöpfer des Begriffs „Naturdenkmal“ die Qualität als solches ausgewiesen zu werden. Der Baum hat Geschichte, eine urwüchsige Eigenart und befindet sich wie wenige andere Bäume einerseits im natürlichen Zerfall mit wertvollen Kleinbiotopen; hat jedoch andererseits eine unwahrscheinliche Vitalität und Lebenskraft, die begeistern kann.
Laut Gutachten vom Februar 2025 wird der Feldahorn „… aufgrund seiner verringerten Vitalität, den Rückzugserscheinungen, den zahlreichen Schäden am Holzkörper …“ als nur wenig erhaltenswert eingestuft, da er seine Funktionen mittelfristig nur noch eingeschränkt erfüllen könne. Die artenschutzrechtliche Bewertung wurde in diesem Gutachten explizit nicht behandelt. Der Baum hat 2026 gezeigt: Er hat noch ein langes Baumleben vor sich. Feldahorne können 250 Jahre alt werden. Er hat Lebenskraft wie wenige andere Bäume in der Umgebung.
Nun liegt seit September 2026 ein artenschutzrechtliches Gutachten vor. Der Baum weist wunderbare Höhlenausbildungen auf, die mit zahlreichen Fotos dokumentiert sind. Diese sind wohl noch nicht tief genug, um aktuell z.B. für Fledermäuse geeignet zu sein, aber Höhlenbrüter finden hier sicher schon Unterschlupf. In einer Höhlung konnte eine beginnende Mulmbildung festgestellt werden, die für seltene Totholzkäfer von Bedeutung ist und insbesondere in Zukunft bei weiterer Mulmbildung diesen streng geschützten Käferarten Unterschlupf bieten wird. Der Baum ist aus Sicht des Bund Naturschutz für Arten- und Biodiversitätsschutz schon jetzt wertvoll, aber gerade im Begriff sein Potential erst richtig zu entfalten. Er hat mit rund 100 Jahren nun das Alter dafür erreicht ein sogenannter „Habitatbaum“ zu werden und Lebensraum für hunderte Tier-, Pflanzen- und Pilzarten zu bieten.
Nun liegt es am Gericht zu entscheiden, ob der Baum erhalten werden kann. Eine Teilbebauung des Grundstückes mit Baumerhalt wäre ein Kompromiss.
Mit der Baumschutzverordnung hat die Stadt Regensburg ein wertvolles Instrument zum Erhalt von großen, prägenden Bäumen, denn sie weiß: Ohne die alten Eichen, beeindruckenden Buchen, hohen Linden und urwüchsigen Ahornbäumen verlieren die Regensburger Wohnquartiere und seine Bewohner*innen massiv an Lebensqualität. Da hilft dann auch kein Welterbe als Ausgleich. Für wirksamen Baumschutz fordern wir, die städtische Baumschutzverordnung in folgenden Punkten nachzubessern:
• Erweiterung des Baumschutzes auf Bäume ab 80 cm Stammumfang. (Aktuell gilt ein
Baumschutz ab einem Stammumfang von 100 cm. Aber auch Bäume mit 80 cm Stamm-
umfang sind klimarelevant.)
• Die steigende Hitzebelastung und gesundheitliche Belastung der Bürgerinnen und Bürger in der unmittelbaren Umgebung müssen in die Fällgenehmigungs-Abwägung mit einbezogen werden.
• Einer Fällgenehmigung von geschützten Bäumen wegen gesundheitlicher Einschränkungen von Anwohnern darf - ohne Ausnahme - nur durch ein amtsärztliches Attest stattgegeben werden.
• Ersatzpflanzungen müssen zwingend angemessen sein. Einen großen Baum mit einem kleinen Baum auszugleichen, ist vor dem Hintergrund des Klimawandels abzulehnen.
• Um Schaden von der Allgemeinheit abzuwenden, muss ein Ausgleich erfolgen, der in Relation zum Verlust zumindest 100 % klimawirksam ist.
• Das Fällen von Bäumen für Parkplätze und Tiefgaragenstellplätze ist sofort einzustellen.
Anfang Oktober 2025 haben wir seitens des BN die Stadtratsfraktionen und die Stadtverwaltung angeschrieben, diese Verbesserungspunkte mit der Bitte um „Tätig werden“ übersendet. Noch ist, soweit wir erkennen können, nichts geschehen.
Aus BN-Sicht werden auch Baumerhaltungsmaßnahmen zu selten ausgeschöpft. Es gibt viele Möglichkeiten, einen Stadtbaum vor der Zerstörung zu bewahren, beispielsweise durch fachgerechten Rückschnitt oder Sicherungsmaßnahmen.
Die kostenlose BN-BAUM-APP stärkt den Baumerhalt und die Biodiversität im Stadtgebiet: regensburg.bund-naturschutz.de/baumschutz-mein-baum-app
Jede und jeder kann mitmachen.
Zusammen mit Anwohnern setzen wir und verbändeübergreifend (BN, Greenpeace) für den Erhalt des Feldahorns ein. Siehe Medienecho unten.
Gez.
Raimund Schoberer | 1.Vorsitzender Kreisgruppe Rgbg BUND Naturschutz e.V.
Dr. Angela Nunn | Stadtbaumgruppe BUND Naturschutz e.V.|
Auswahl Medienecho:
- https://www.br.de/nachrichten/bayern/wohnraum-vs-stadtgruen-anwohner-kaempfen-um-100-
jahre-alten-baum,VTIit0A - https://www.mittelbayerische.de/lokales/stadt-regensburg/protest-gegen-faellung-50-neue-
freunde-fuer-einen-100-jahre-alten-baum-in-regensburg-21606386 - https://www.regensburger-stadtzeitung.de/index.php/feldahorn-in-stadtamhof-ein-100-jahre-
alter-baum-wird-zum-symbol-fuer-regensburgs-zielkonflikt-zwischen-wohnraum-und-stadtgruen/






















































