Zur Startseite

BN-Notizen-Aktuell-Bio-Einkaufsführer

Ortsgruppen

  • Übersicht
  • Bernhardswald
  • Hemau
  • Nittendorf
  • Pettendorf

Energie & Klima

  • Home  › 
  • Aktuelles

Einwendung gegen das Vorhaben zur Durchführung eines wasserrechtlichen Planfeststellungsverfahrens im Bereich „Unterer Wöhrd“, Stadt Regensburg – Abschnitt H (AZ.: 31.1.2. Pl-HWS- H/Unterer Wöhrd)

Sehr geehrte Damen und Herren,

der BUND Naturschutz (BN), Kreisgruppe Regensburg, bedankt sich für die Einbindung in o.g. Verfahren.

Von Anwohnerseite wird mindestens eine detailliert ausgearbeitete Stellungnahme bei den Behörden eingehen. Wir schließen uns den darin geäußerten Argumenten vollumfänglich an und sehen wenig Sinn darin, inhaltlich identische Gesichtspunkte in anderer Formulierung vorzubringen. Stattdessen plädieren wir für eine tiefgreifende Abwägung dieser Argumente vor dem Hintergrund, dass es sich keineswegs um die isolierte Einschätzung einer Einzelperson handelt, sondern auch vom BN getragen wird und offenbar auch von einem erheblichen Anteil der Bewohner des Unteren Wöhrd (in welchem Umfang können wir natürlich nicht beurteilen).

21.01.2026

Aus naturschutzfachlicher Sicht sticht vor allem der erhebliche Verlust an wertgebendem Baumbestand ins Auge. Inwieweit dieser aus rein technischer Sicht bei Umsetzung der Hochwasser-schutzpläne unabdingbar wäre, können wir aufgrund mangelnder Expertise schwer einschätzen, glauben jedoch, dass es hier noch einigen Spielraum für Kompromisslösungen gäbe. 

Tatsache ist, dass sich die Stadt Regensburg diesen Baumverlust eigentlich gar nicht leisten kann. Sie steht in puncto Versiegelung bereits in einem denkbar schlechten Ruf („Rote Laterne“ der Deutschen Umwelthilfe; Hitze-Hotspot Bayerns), viele Bäume mussten in den vergangenen Jahren diversen Bauvorhaben weichen, noch viel mehr stehen in aktuellen Vorhaben zur Disposition:

1 Hektar naturnaher Stadtwald an der Lilienthalstraße, 1 ha am Regen im Bereich der geplanten Re-gentalbrücke und gleich 4 ha in Burgweinting für den Bau eines Umschlagbahnhofs – die Liste ließe sich fortsetzen. Nicht selten fallen stattliche Bäume dem Bau von Tiefgaragen zum Opfer, fragwürdige Fällanträge von privater Seite werden durchgewunken, illegale Fällungen nicht geahndet. Der aktuell favorisierten Nachverdichtung der Wohnbebauung werden viele weitere Bäume weichen müssen. Die Bäume am Unteren Wöhrd haben durch ihre Lage an der Donau eine besondere Funktion für Klima- und Artenschutz, Freizeitgestaltung und Stadtbild, zumal sie teilweise in unmittelbarer Sichtbeziehung zum Weltkulturerbe stehen.

Selbst wenn die Baumfällungen aus technischer Sicht notwendig wären, stellt sich die Frage nach der Notwendigkeit der technischen Lösung selbst. Der massive Eingriff mit langwieriger Bauphase unter Verwendung von schwerem Gerät wird nur eine sehr lokale Wirkung entfalten – nämlich einen Schutz der Gebäude am westlichen Unteren Wöhrd – und immense Kosten verursachen. 

Dabei scheint die ansässige Bevölkerung überhaupt nicht geschützt werden zu wollen: Wer auf eine Donauinsel umsiedelt, tut dies nicht aus Zwang, sondern weil er/ sie aktiv die Nähe zum Wasser und die dadurch erhöhte Lebensqualität sucht. Er/ sie nimmt dabei bewusst das Hochwasserrisiko in Kauf und sorgt für entsprechende Ereignisse vor (es ist z.B. schwer vorstellbar, dass es am Unteren Wöhrd ausgebaute und dauerhaft bewohnte Kellerwohnungen gibt). Lebensgefahr besteht nicht, da sich Überflutungen in Regensburg anders als in engen Gebirgstälern rechtzeitig ankündigen. Warum sollen Ausgaben im hohen zweistelligen Millionenbereich für Hochwasserschutz gegen den Willen der zu schützenden Bevölkerung getätigt werden? 

Ein Bruchteil der Summe wäre möglicherweise besser investiert, wenn man die betroffenen Häuser gegen dauerhafte Hochwasserschäden ertüchtigt – soweit dies nicht sowieso schon geschehen ist. Auch die Schaffung von finanziellen Rücklagen für den Katastrophenfall wäre eine Option. Die lokale Bevölkerung scheint jedenfalls mehr Angst vor den Einschränkungen durch die geplanten Hochwassermaßnahmen zu haben als vor gelegentlichen Überschwemmungen (auch wenn diese infolge des Klimawandels tendenziell häufiger werden). 

Der BN fordert seit Langem, den Hochwasserschutz weniger kleinteilig zu denken, zumal lokale Verbesserungen an einer Stelle meist mit Verschlechterungen andernorts verbunden sind. Stattdessen sollte man dem Fluss in seinem gesamten Verlauf größere Ausweichmöglichkeiten in die Fläche ermöglichen. Selbst der Untere Wöhrd könnte dabei seinen Beitrag leisten:

Durch Bodenabtrag im Bereich des aktuellen Großparkplatzes und vermutlich auch auf Inselflächen östlich der Nibelungenbrücke könnte man zusätzlichen Retentionsraum schaffen. Die ökologische Wertigkeit sowie die Aufenthaltsqualität ließen sich dabei ohne großen Aufwand zusätzlich erhöhen. 

Aus BN-Sicht besonders ärgerlich ist, dass die aktuellen Planungen zum Hochwasserschutz bereits vorausschauend (also quasi in „vorauseilendem Gehorsam“) Rücksicht auf Bauvorhaben nehmen, die noch gar nicht abschließend genehmigt sind. Das geplante Parkhaus (BBP 279) bei gleichzeitigem Festhalten am Großparkplatz ist höchst umstritten; aus BN-Sicht wird es sich als „Millionengrab“ herausstellen (s. BN-Stellungnahme vom 01.10.2025). Eine sinnvolle alternative Nutzung auch im Sinne des Hochwasserschutzes wurde im vorherigen Abschnitt skizziert, den Parkraum könnte man – so überhaupt nötig – auf den Bedarf der lokalen Bevölkerung reduzieren.

Im Erläuterungsbericht zum Planfeststellungsverfahren wird aber offenbar von einer Verwirklichung des BBP 279 ausgegangen. Wohl ähnlich einschneidend dürften sich die Pläne für eine neue Anlegestelle für Kreuzfahrtschiffe am westlichen Unteren Wöhrd herausstellen. Angesichts der dafür nötigen landseitigen Infrastrukturmaßnahmen ist von einer weiteren großflächigen Versiegelung unter zusätzlichem Baumverlust auszugehen. Beide Maßnahmen würden sich noch massiver auf die Sichtbeziehung zum Weltkulturerbe auswirken als die Hochwasserschutzmaßnahmen.

Der Bund Naturschutz fordert angesichts der aktuellen Herausforderungen durch Klimawandel, Biodiversitätskrise und schwindende Finanzmittel den Hochwasserschutz am Unteren Wöhrd (sowie in der ganzen Region) mutig neu zu denken – zu Wohle nicht nur der lokalen Bevölkerung, sondern der ganzen Welterbe-Stadt Regensburg und ihres Umlandes.

Mit freundlichen Grüßen,

Dr. Albrecht Muscholl-Silberhorn 
(stellv. Vorsitzender der BN-Kreisgruppe Regensburg) 

download pdf